Rügen-Urlaub planen: Kreidefelsen, Seebäder, Kap Arkona und die stillen Seiten der Insel
Deutschlands größte Insel im Überblick: Binz und Sellin, Nationalpark Jasmund, Kap Arkona, Mönchgut, Rasender Roland und Hiddensee. Plus: welcher Standort passt und wie du ohne Stress anreist.
Rügen ist keine Insel, die man an einem Wochenende versteht. Deutschlands größte Insel hat so viele Gesichter, dass sich ein Urlaub in Binz völlig anders anfühlt als eine Woche in einem Fischerdorf auf dem Mönchgut oder in einem Bauernhaus im stillen Westen. Weiße Kreidefelsen über türkisfarbenem Wasser, Seebrücken mit Bäderarchitektur, Buchenwälder, Bodden mit Schilfgürteln, eine Dampfeisenbahn und vor der Küste die autofreie Insel Hiddensee: Rügen bietet für fast jeden Urlaubstyp etwas. Dieser Ratgeber hilft dir, die Insel zu sortieren und den richtigen Standort zu finden.
Das Wichtigste in Kürze
- Rügen ist die größte Insel Deutschlands und über den Rügendamm und die Rügenbrücke bei Stralsund mit dem Festland verbunden. Du brauchst keine Fähre.
- Die bekanntesten Seebäder liegen an der Ostküste: Binz, Sellin, Baabe und Göhren, mit Seebrücken und Bäderarchitektur.
- Im Nationalpark Jasmund stehen die berühmten Kreidefelsen, die alten Buchenwälder dort gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe.
- Kap Arkona im Norden, das Mönchgut im Südosten und die Boddenlandschaft im Westen sind ruhiger und naturnah.
- In der Hochsaison sind die Straßen auf die Insel und in die Seebäder oft voll. Bahn, Bus und Fahrrad sind gute Alternativen.
Orientierung: wie Rügen aufgebaut ist
Rügen hat eine zerklüftete Form mit vielen Halbinseln, Buchten und Bodden, den flachen Lagunen zwischen den Landteilen. Wer von Stralsund kommt, erreicht die Insel im Südwesten. Die Hauptstadt Bergen liegt etwa in der Mitte und ist der wichtigste Bahn- und Busknoten.
Grob lassen sich fünf Bereiche unterscheiden:
- Die Ostküste mit den großen Seebädern Binz, Sellin, Baabe und Göhren und den langen Sandstränden.
- Jasmund im Nordosten mit Nationalpark, Kreidefelsen und der Hafenstadt Sassnitz.
- Wittow und Kap Arkona im äußersten Norden, flach, windig und ländlich.
- Das Mönchgut im Südosten, eine Halbinsel mit Fischerdörfern, Hügeln und Badestränden.
- Der Westen mit Boddenlandschaft, kleinen Häfen und dem Fährhafen nach Hiddensee.
Die Seebäder an der Ostküste
Binz
Binz ist das größte und bekannteste Seebad der Insel. Die lange Strandpromenade wird von weißen Villen mit verzierten Balkonen gesäumt, die Seebrücke führt weit ins Meer, und der feine Sandstrand zieht sich kilometerweit nach Norden. Binz hat viele Hotels, Restaurants und Geschäfte und ist mit dem Zug direkt erreichbar. In der Hochsaison ist es lebhaft und voll.
Nördlich von Binz liegt Prora, ein über vier Kilometer langer Gebäudekomplex, der in der Zeit des Nationalsozialismus als Seebad für die Organisation „Kraft durch Freude“ geplant und nie vollendet wurde. Heute sind Teile zu Ferienwohnungen und Hotels umgebaut, und ein Dokumentationszentrum erklärt die Geschichte des Ortes.
Sellin, Baabe und Göhren
Sellin ist bekannt für seine Seebrücke mit dem markanten Brückenhaus und für eine Treppe, die vom Hochufer hinunter zur Brücke führt. Die Wilhelmstraße mit ihren Bäderarchitekturhäusern ist eine der schönsten Straßen der Insel. Baabe ist kleiner und familienfreundlich, mit einem feinen Strand und einem ruhigen Ortskern. Göhren liegt auf einem Höhenzug am Beginn des Mönchguts und hat zwei Strände, einen nördlich und einen südlich der Landzunge.
Die Seebäder sind durch die Schmalspurbahn Rasender Roland verbunden, die mit Dampflokomotiven zwischen Lauterbach, Putbus, Binz, Sellin, Baabe und Göhren pendelt. Sie ist kein schnelles Verkehrsmittel, aber ein Erlebnis.
Jasmund: Kreidefelsen und Buchenwälder
Der Nationalpark Jasmund ist das bekannteste Naturgebiet Rügens. Hier fallen weiße Kreidefelsen steil zur Ostsee ab, darüber wachsen alte Buchenwälder, die gemeinsam mit anderen Buchenwäldern in Europa zum UNESCO-Weltnaturerbe gehören. Der Maler Caspar David Friedrich hat die Kreideküste im 19. Jahrhundert berühmt gemacht.
Der bekannteste Felsen ist der Königsstuhl. Am Nationalpark-Zentrum Königsstuhl kannst du eine Ausstellung besuchen und über einen Aussichtspfad auf die Kreideküste blicken. Plane für den Besuch Zeit ein und komm an schönen Sommertagen früh, weil es dann voll wird.
Schöner und ruhiger ist oft eine Wanderung auf dem Hochuferweg zwischen Sassnitz und dem Königsstuhl. Der Weg führt durch den Buchenwald am Rand der Steilküste, mit immer neuen Ausblicken, etwa auf die Victoriasicht. Für die Strecke solltest du einige Stunden einplanen. Über Treppen gelangst du an manchen Stellen hinunter zum Steinstrand.
Sicherheit: Die Kreidefelsen sind instabil. Immer wieder brechen Teile ab, besonders nach Frost und starkem Regen. Halte Abstand von der Abbruchkante und vom Fuß der Felsen, und beachte gesperrte Bereiche.
Sassnitz ist das Tor zum Nationalpark, mit einem Stadthafen, einer langen Mole und dem Fährhafen Mukran, von dem Schiffe nach Skandinavien fahren.
Kap Arkona und Wittow
Im äußersten Norden liegt Kap Arkona mit zwei Leuchttürmen, von denen der ältere im 19. Jahrhundert nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel gebaut wurde. Daneben stehen die Reste einer slawischen Burgwallanlage. Vom Kap führt ein Weg hinunter in das winzige Fischerdorf Vitt mit reetgedeckten Häusern und einer kleinen achteckigen Kapelle.
Autos bleiben auf einem Parkplatz im Ort Putgarten. Von dort gehst du zu Fuß, fährst mit dem Rad oder mit einer kleinen Bahn zum Kap. Die Halbinsel Wittow ist flach und landwirtschaftlich geprägt, mit langen Naturstränden an der Nordküste.
Das Mönchgut und der Südosten
Das Mönchgut ist eine hügelige Halbinsel im Südosten mit kleinen Orten wie Middelhagen, Groß Zicker, Klein Zicker und Thiessow. Die Landschaft wirkt fast wie eine Miniaturausgabe von Rügen: Steilküsten, Hügel mit weitem Blick, Boddenufer und Badestrände. Ein großer Teil gehört zum Biosphärenreservat Südost-Rügen. Für ruhige Ferien mit Wanderungen und Radtouren ist das Mönchgut ideal.
Weiter westlich liegt Putbus, eine klassizistische Residenzstadt mit weißen Häusern rund um einen kreisrunden Platz, den Circus, und einem großen Schlosspark. Im nahen Lauterbach legt der Rasende Roland ab, und vom Hafen fahren Boote zur kleinen Insel Vilm.
Das Jagdschloss Granitz thront auf einem Hügel im Wald zwischen Binz und Sellin. Von seinem Turm hast du einen weiten Blick über die Insel.
Der Westen und Hiddensee
Der Westen Rügens ist die stille Seite der Insel. Bodden, Schilf, kleine Häfen und Dörfer prägen das Bild. Hier fährst du Rad, paddelst, segelst oder beobachtest Vögel. Im Herbst rasten in der Region tausende Kraniche, wie im Ratgeber Seehunde, Kraniche und Zugvögel beschrieben.
Von Schaprode fahren Fähren nach Hiddensee, einer schmalen, autofreien Insel westlich von Rügen. Hiddensee ist ruhig, ursprünglich und bei Künstlern seit langem beliebt. Der Dichter Gerhart Hauptmann lebte hier, sein Haus in Kloster ist heute ein Museum. Auf der Insel bewegst du dich zu Fuß, mit dem Rad oder der Pferdekutsche. Mehr über Fähren und Inselalltag erfährst du im Ratgeber Mit der Fähre auf die Insel.
In Ralswiek finden im Sommer die Störtebeker-Festspiele statt, ein Freilichttheater über den legendären Piraten mit Schiffen, Pferden und Feuerwerk.
Den richtigen Standort wählen
| Wenn du suchst … | dann passt besonders |
|---|---|
| Strand, Promenade, Restaurants, gute Bahnanbindung | Binz |
| Bäderarchitektur mit etwas mehr Ruhe | Sellin, Baabe |
| Wanderungen im Nationalpark | Sassnitz, Lohme |
| Ruhige Ferien in kleinen Dörfern | Mönchgut, Wittow |
| Wassersport und Boddenlandschaft | Westrügen, Wiek, Dranske |
| Autofreie Tage | Hiddensee |
Rügen ist groß. Wege von einem Ende zum anderen können in der Saison lange dauern. Wähle deshalb einen Standort, von dem aus du die meisten deiner Wunschziele gut erreichst, statt die ganze Insel abfahren zu wollen.
Anreise und unterwegs auf der Insel
Mit der Bahn: Rügen ist gut an das Bahnnetz angebunden. Regionalzüge fahren von Stralsund nach Bergen, Binz und Sassnitz, in der Saison kommen auch Fernzüge bis nach Binz. Auf der Insel gibt es ein Busnetz, das die meisten Orte verbindet, in der Saison mit dichterem Takt. Wie du mit dem Deutschlandticket reist, erklärt der Ratgeber Mit dem Deutschlandticket in den Urlaub.
Mit dem Auto: Über die Rügenbrücke erreichst du die Insel ohne Wartezeit an einer Fähre. In der Hochsaison und an Wochenenden kommt es aber vor der Brücke und auf der Hauptstraße nach Bergen und in die Seebäder häufig zu Staus. Viele Seebäder haben große Parkplätze am Ortsrand.
Mit dem Fahrrad: Rügen hat ein gutes Radwegenetz, der Ostseeküstenradweg führt über die Insel. Beachte, dass es auf Rügen anders als an der Nordsee Hügel gibt, besonders auf Jasmund und dem Mönchgut. E-Bikes kannst du in vielen Orten leihen. Mehr Tipps stehen im Ratgeber Fahrrad im Urlaub.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
- Die ganze Insel in wenigen Tagen sehen wollen. Wähle lieber zwei oder drei Schwerpunkte.
- An Sommerwochenenden mit dem Auto zum Königsstuhl. Früh am Morgen oder mit Bus und Wanderung ist es entspannter.
- Zu nah an die Kreidekante gehen. Abbrüche passieren immer wieder.
- Die Anreise am Samstag in der Hochsaison. Dann ist der Verkehr vor der Brücke am dichtesten.
- Nur die Ostküste kennen. Mönchgut, Wittow und der Westen zeigen die ruhige Seite der Insel.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Rügen?
Für einen ersten Eindruck reicht ein verlängertes Wochenende mit festem Standort. Wer Seebäder, Nationalpark, Kap Arkona und Hiddensee erleben möchte, plant besser eine Woche oder mehr.
Ist Rügen für Familien geeignet?
Ja. Die flachen Sandstrände der Ostküste, der Rasende Roland, Bootsfahrten und kurze Wanderungen machen die Insel für Kinder abwechslungsreich. Für Familien bieten sich Baabe, Göhren, Binz oder ein Ferienhof im Inselinneren an.
Wann ist die beste Reisezeit für Rügen?
Baden kannst du etwa von Juni bis September. Frühling und Herbst sind ruhiger und ideal zum Wandern, im Herbst kommen die Kraniche dazu. Mehr dazu im Ratgeber Beste Reisezeit für Urlaub in Deutschland. Weitere Inseln findest du unter Inseln.