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Seen & Flüsse

Mittelrhein: Burgen, Loreley und Weinorte zwischen Rüdesheim und Koblenz

Das Welterbe Mittelrheintal: Schifffahrt an der Loreley vorbei, Marksburg und Pfalzgrafenstein, Weinorte, Rheinsteig, Fähren statt Brücken und Tipps zur Unterkunft.

Stand: 7 Min. LesezeitVon der ZOLUN Redaktion

Kaum eine Flusslandschaft in Deutschland ist so berühmt wie das Mittelrheintal. Auf rund 65 Kilometern zwischen Bingen und Rüdesheim im Süden und Koblenz im Norden hat sich der Rhein tief in das Schiefergebirge gegraben. Steile Weinberge, Felsen, kleine Fachwerkstädtchen am Ufer und auf fast jeder Anhöhe eine Burg: Diese Kulisse hat Dichter, Maler und Reisende seit der Romantik begeistert und gehört heute zum UNESCO-Welterbe. Dieser Ratgeber hilft dir, das Tal zu verstehen und deine Reise zu planen, ob mit dem Schiff, dem Rad, zu Fuß oder mit der Bahn.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen, Rüdesheim und Koblenz ist UNESCO-Welterbe.
  • Der schönste Abschnitt für eine Schifffahrt liegt zwischen Bingen oder Rüdesheim und St. Goar, vorbei an der Loreley.
  • Zwischen Koblenz und Mainz gibt es keine Brücke über den Rhein. Autofähren verbinden die Ufer.
  • Auf beiden Ufern fahren Regionalzüge, und entlang des Flusses verlaufen Radwege und zwei Fernwanderwege.
  • Wähle deine Unterkunft mit Bedacht: Auf beiden Seiten verlaufen Bahnstrecken, auf denen auch nachts Güterzüge fahren.

Orientierung: zwei Ufer, viele Orte

Der Rhein fließt hier von Süden nach Norden. Das linke Ufer gehört zu Rheinland-Pfalz, ebenso der größte Teil des rechten Ufers. Nur ganz im Süden, gegenüber von Bingen, liegt mit Rüdesheim und Assmannshausen ein Stück Hessen.

Die wichtigsten Orte von Süden nach Norden:

  • Rüdesheim und Bingen am Südende, mit Seilbahn, Niederwalddenkmal und dem Mäuseturm auf einer Insel im Fluss.
  • Assmannshausen und Trechtingshausen mit Burgen wie Rheinstein und Reichenstein.
  • Bacharach, eines der schönsten Fachwerkstädtchen am Rhein, mit Stadtmauer und Burg Stahleck.
  • Kaub mit der Burg Pfalzgrafenstein auf einer Insel mitten im Rhein.
  • Oberwesel mit fast vollständig erhaltener Stadtmauer und vielen Türmen.
  • St. Goar und St. Goarshausen zu Füßen der Loreley, mit der Ruine Rheinfels und den Burgen Katz und Maus.
  • Boppard an einer großen Rheinschleife, mit Weinbergen und Sessellift auf die Höhe.
  • Braubach mit der Marksburg.
  • Koblenz am Deutschen Eck, wo die Mosel in den Rhein mündet.

Die Loreley und die Burgen

Die Loreley ist ein über 130 Meter hoher Schieferfelsen am rechten Ufer, an einer Stelle, an der der Rhein eng und tief ist. Früher war sie für Schiffer gefährlich, und daraus entstand die Sage von der Frau auf dem Felsen, deren Gesang die Schiffer ablenkte. Heinrich Heine machte sie mit seinem Gedicht weltberühmt. Auf dem Plateau gibt es einen Besucherbereich mit Aussicht, Wegen und Gastronomie.

Einige Burgen, die du nicht verpassen solltest:

  • Marksburg über Braubach: Sie gilt als einzige Höhenburg am Mittelrhein, die nie zerstört wurde. Bei Führungen siehst du Rüstkammer, Burgküche und Wehrgänge.
  • Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub: Eine Zollburg auf einer kleinen Insel im Fluss, die du mit einer kleinen Fähre erreichst. Sie wirkt wie ein steinernes Schiff im Strom.
  • Burg Rheinfels bei St. Goar: Eine große Ruine mit unterirdischen Gängen, in denen du mit Taschenlampe auf Entdeckungstour gehen kannst.
  • Schloss Stolzenfels bei Koblenz: Ein Schloss im Stil der Rheinromantik mit Gärten und reich ausgestatteten Räumen.

Viele Burgen sind im Winter nur eingeschränkt geöffnet. Prüfe die Öffnungszeiten vor dem Besuch.

Mit dem Schiff durch das Tal

Eine Schifffahrt ist die klassische Art, das Mittelrheintal zu erleben. Ausflugsschiffe fahren in der Saison zwischen Mainz, Rüdesheim, Bingen, St. Goar, Boppard und Koblenz. Der spektakulärste Abschnitt liegt zwischen Bingen oder Rüdesheim und St. Goar: Hier passierst du die meisten Burgen und die Loreley.

Ein paar Tipps:

  • Flussabwärts ist schneller. Mit der Strömung dauert die Fahrt deutlich kürzer als gegen sie. Viele fahren mit dem Schiff hinunter und mit dem Zug zurück.
  • Oberdeck oder Fensterplatz wählen und auf beide Ufer achten. Die Burgen verteilen sich links und rechts.
  • Kombitickets für Schiff und Bahn oder Schiff und Seilbahn werden von manchen Anbietern angeboten.
  • Bei Niedrigwasser im Spätsommer können Fahrten eingeschränkt sein.

Fähren statt Brücken

Zwischen Koblenz und dem Raum Mainz und Wiesbaden gibt es keine einzige Rheinbrücke. Wer die Seite wechseln will, nutzt eine der Autofähren, etwa zwischen Bingen und Rüdesheim, bei Kaub, zwischen St. Goar und St. Goarshausen oder bei Boppard. Die Fähren pendeln tagsüber im kurzen Takt, abends und nachts fahren manche nicht. Für Radfahrer und Fußgänger sind sie eine schöne kleine Überfahrt. Eine feste Brücke im mittleren Teil des Tals ist seit Langem in Planung.

Wandern: Rheinsteig und RheinBurgenWeg

Zwei Fernwanderwege begleiten den Rhein auf beiden Seiten oben auf den Hängen:

  • Der Rheinsteig auf dem rechten Ufer führt mit vielen Höhenmetern durch Weinberge, Wälder und an Aussichtspunkten vorbei. Er gilt als anspruchsvoll.
  • Der RheinBurgenWeg auf dem linken Ufer verbindet viele Burgen und Aussichtspunkte und ist etwas ruhiger.

Beide lassen sich in Tagesetappen gehen, mit dem Zug als Rückweg. Dazu kommen kürzere Rundwege, die als Traumschleifen bezeichnet werden. Gutes Schuhwerk ist wichtig, denn viele Wege sind steil und bei Nässe rutschig.

Radfahren am Rhein

Auf beiden Ufern verläuft der Rheinradweg, der Teil einer europäischen Radroute von den Alpen bis zur Nordsee ist. Im Mittelrheintal führt er flach am Fluss entlang, oft direkt am Ufer, teilweise neben Straße und Bahn. Mit Fähren und Zügen lassen sich schöne Rundtouren bauen. Für Ausflüge auf die Höhen brauchst du Kondition oder ein E-Bike. Mehr Tipps im Ratgeber Fahrrad im Urlaub.

Wein und Genuss

Das Mittelrheintal ist ein kleines, aber traditionsreiches Weinbaugebiet, südlich angrenzend liegt der Rheingau. Auf den steilen Schieferhängen wächst vor allem Riesling. Viele Weingüter laden zur Probe ein, und in der Saison öffnen Straußwirtschaften, kleine Lokale der Winzer, in denen eigener Wein und einfache Gerichte serviert werden.

In Rüdesheim ist die Drosselgasse mit Weinlokalen und Musik ein bekanntes Ziel, das am Tag sehr voll sein kann. Ruhiger sind die Weinorte im mittleren Teil des Tals.

Koblenz und Rüdesheim: die Tore des Tals

Koblenz am Nordende lohnt einen eigenen Tag. Am Deutschen Eck fließen Mosel und Rhein zusammen, überragt von einem großen Reiterdenkmal. Eine Seilbahn schwebt vom Rheinufer über den Fluss hinauf zur Festung Ehrenbreitstein, einer der größten erhaltenen Festungsanlagen Europas, mit Museen und einem weiten Blick über die Stadt und beide Flüsse. Die Altstadt mit ihren Plätzen, Kirchen und Weinstuben ist gut zu Fuß zu erkunden.

Rüdesheim am Südende ist der bekannteste Ort am Rhein und entsprechend belebt. Mit einer Seilbahn fährst du über die Weinberge hinauf zum Niederwalddenkmal, von wo sich ein Blick über den Rheingau und nach Bingen öffnet. Oben beginnen Wanderwege, die durch den Wald zum Jagdschloss Niederwald und hinunter nach Assmannshausen führen. Zurück geht es mit Sessellift oder Schiff.

Beide Städte sind gute Ausgangspunkte, wenn du lieber in einer größeren Stadt mit vielen Restaurants wohnst und das Tal in Tagesausflügen erkundest.

Rhein in Flammen

An mehreren Abenden im Sommer und Frühherbst findet Rhein in Flammen statt: Burgen und Ufer werden bengalisch beleuchtet, und große Feuerwerke spiegeln sich im Fluss, während beleuchtete Schiffe in Konvois vorbeifahren. Die Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten statt, unter anderem bei Rüdesheim und Bingen, in Koblenz und bei St. Goar und Oberwesel. An diesen Tagen sind Unterkünfte und Schiffe früh ausgebucht.

Anreise und unterwegs

Mit der Bahn: Auf beiden Ufern fahren Regionalzüge, die fast alle Orte im Tal anbinden. Koblenz und Mainz sind gut an den Fernverkehr angeschlossen. Im Regionalverkehr gilt das Deutschlandticket. Mehr dazu im Ratgeber Mit der Bahn in den Urlaub.

Mit dem Auto: Bundesstraßen führen auf beiden Seiten am Fluss entlang. Parkplätze in den kleinen Orten sind in der Saison knapp.

Unterkunft: Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen gibt es in allen Orten, oft in historischen Häusern. Durch das Tal fahren auf beiden Ufern Güterzüge, auch nachts. Frag bei der Buchung nach einem Zimmer zur ruhigen Seite oder wähle eine Unterkunft etwas oberhalb des Ufers. Tipps zur Wahl der Unterkunft im Ratgeber Hotel, Pension, Ferienwohnung oder Bauernhof?.

Reisezeit

  • Frühling bringt blühende Obstbäume und frisches Grün in den Weinbergen, ideal zum Wandern.
  • Sommer ist Hauptsaison für Schifffahrten und Feste.
  • September und Oktober sind Weinlesezeit mit Weinfesten und goldenen Hängen, für viele die schönste Zeit.
  • Winter ist ruhig, viele Schiffe fahren nicht, einige Burgen schließen.

Mehr im Ratgeber Beste Reisezeit für Urlaub in Deutschland.

Typische Fehler und wie du sie vermeidest

  1. Nur Rüdesheim sehen. Die schönsten Orte liegen weiter nördlich im Tal.
  2. Gegen die Strömung eine lange Schiffsfahrt planen. Flussabwärts fahren, mit dem Zug zurück.
  3. Eine Brücke suchen. Zwischen Koblenz und Mainz gibt es nur Fähren.
  4. Das Zimmer zur Bahnseite nehmen. Frag nach einer ruhigen Lage.
  5. Burgen im Winter ohne Prüfung ansteuern. Viele haben dann eingeschränkte Öffnungszeiten.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für das Mittelrheintal?

Für eine Schifffahrt, eine Burg und einen Weinort reicht ein langer Tag. Wer wandern, Rad fahren und mehrere Burgen besuchen möchte, plant drei bis fünf Tage ein.

Kann man im Rhein baden?

Davon wird dringend abgeraten. Die Strömung ist stark, der Fluss ist eine viel befahrene Wasserstraße, und Schiffe erzeugen Sog und Wellen. Mehr zum sicheren Baden im Ratgeber Baden in Seen und Flüssen.

Lässt sich der Mittelrhein mit der Mosel verbinden?

Ja. Von Koblenz aus führt das Moseltal mit Weinorten wie Cochem flussaufwärts. Die beiden Täler ergänzen sich gut zu einer Rundreise. Weitere Ziele am Wasser findest du unter Seen & Flüsse.

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